Leben Erneuerbare nur von Subventionen? Ein Kassensturz
Leben Erneuerbare nur von Subventionen? Ein Kassensturz
Foto: Der Braunkohle-Tagebau Garzweiler — der Ausstieg aus der Braunkohle wird mit Milliarden entschädigt — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Raimond Spekking
„Die Erneuerbaren rechnen sich nur, weil sie subventioniert werden." Dieser Satz fällt in jeder Strompreis-Debatte. Er lohnt einen nüchternen Kassensturz — nicht mit Empörung, sondern mit Zahlen. Denn wer die Förderung der Erneuerbaren beklagt, ohne die Förderung der Fossilen mitzurechnen, führt eine halbe Rechnung.
Was die Fossilen kosten
Der Ausgangspunkt sind die umweltschädlichen Subventionen, die das Umweltbundesamt und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) regelmäßig beziffern. 2018 summierten sie sich auf über 65 Milliarden Euro im Jahr. In der Energiepreiskrise wuchs der fossile Anteil weiter, auf rund 85 Milliarden Euro im Jahr 2023. Für 2026 rechnet das FÖS mit weiteren rund 11 Milliarden Euro an neuen Vergünstigungen für den Öl- und Gasverbrauch. Der größte Brocken steckt im Verkehr, ein weiterer großer Teil in der Energiebereitstellung und -nutzung.
Das sind keine Randposten. Es sind Steuervergünstigungen, Ausnahmen und Übernahmen, die fossile Energie künstlich billiger machen, als sie in Vollkosten wäre.
Auch der Ausstieg wird bezahlt
Hinzu kommt eine zweite Kategorie, die oft übersehen wird: Die etablierten Erzeuger werden auch für das Aufhören entschädigt. RWE erhält für den vorgezogenen Ausstieg aus der Braunkohle eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro; die EU-Kommission hat sie Ende 2023 in vollem Umfang genehmigt, ausgezahlt wird sie in Raten bis 2030. Dazu kommen Kapazitäts- und Netzreserven, mit denen fossile Blöcke dafür bezahlt werden, in Bereitschaft zu stehen. Die fossile Erzeugung wird also auf dem Weg hinein günstiger gestellt und auf dem Weg hinaus entschädigt.
Was die Erneuerbaren gekostet haben
Zur Ehrlichkeit gehört die andere Seite: Auch die Erneuerbaren wurden gefördert, über zwei Jahrzehnte vor allem über die EEG-Umlage. Diese Förderung war real und zeitweise hoch. Entscheidend ist, wie sich das Bild gewandelt hat. Neue Wind- und Solarparks werden heute vielfach ohne Förderung gebaut oder über langfristige Lieferverträge direkt vermarktet, weil ihre Erzeugungskosten stark gefallen sind. Und der eingespeiste Wind- und Solarstrom senkt über den sogenannten Merit-Order-Effekt den Börsenpreis für alle, weil er günstige Erzeugung nach vorn schiebt. Ein Teil der früheren Förderung fließt also als niedrigerer Großhandelspreis zurück.
Die versteckte Subvention: was gar nicht erst auf der Rechnung steht
Die größte Verzerrung ist die, die in keiner Förderliste auftaucht: die Kosten, die fossile Energie verursacht, aber nicht selbst trägt. Schäden durch Luftschadstoffe, Gesundheitskosten und ein nur teilweise eingepreister CO2-Ausstoß sind reale volkswirtschaftliche Kosten. Solange sie nicht vollständig im Preis stehen, ist der niedrige Preis fossiler Energie selbst eine Form der Subvention — eine, die die Allgemeinheit trägt.
Fazit des Kassensturzes
Der Satz „die Erneuerbaren leben nur von Subventionen" hält der vollständigen Rechnung nicht stand. Gefördert wurden und werden beide Seiten: die Fossilen über Steuervergünstigungen, Ausstiegsentschädigungen, Reserven und nicht eingepreiste Folgekosten, die Erneuerbaren über die EEG-Umlage, deren Bedeutung mit sinkenden Kosten abnimmt. Wer Kosten vergleichen will, muss die ganze Rechnung aufmachen.
Für unser Anliegen zählt daraus vor allem eines: Jede Kilowattstunde Wind- und Sonnenstrom, die heute abgeregelt statt genutzt wird, ist bereits erzeugte, günstige Energie, die verfällt. Sie über die zeitliche Erweiterung des §13k EnWG nutzbar zu machen, kostet keine neue Subvention — es hebt einen Wert, der sonst weggeworfen wird.
Quellen
- Umweltschädliche Subventionen in Deutschland (Umweltbundesamt)
- FÖS/Greenpeace — Umweltschädliche Subventionen und Anreize (2025)
- Kohleausstieg: EU genehmigt Milliarden-Entschädigungen für RWE (energiezukunft)
- RWE und Kohleausstieg: Entschädigung vom Staat (taz)
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