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Chinas Solar-Kurve — ein Kraftwerk pro Woche, zum Bruchteil des Preises

1. Juni 2026 5 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Eine Kurve, die senkrecht steht

Es gibt Zahlenreihen, bei denen man zweimal hinschauen muss. Chinas jährlicher Solar-Zubau ist so eine:

Von 2022 auf 2023 hat sich der jährliche Zubau mehr als verdoppelt. Die gesamte installierte Solarleistung Chinas ist von rund 307 GW (Ende 2021) auf über 1.200 GW (Ende 2025) gesprungen — China ist damit das erste Land der Welt, das die Marke von einem Terawatt Solarleistung überschritten hat. Und China installiert dabei mehr als die Hälfte des gesamten weltweiten Solar-Zubaus — ein Land, der halbe Planet.

Gebaut wird noch viel mehr als installiert

Und das ist nur die halbe Geschichte. Neben dem, was China im eigenen Land installiert, steht das, was es produziert — und das ist noch einmal eine andere Hausnummer. Die chinesischen Fabriken bauen weit mehr Module, als das Land selbst verbaut; der Rest geht in die Welt.

China: Solar-Zubau vs. Modulproduktion 2020–2025 in Gigawatt pro Jahr

Jahr Zubau (installiert, CN) Modulproduktion (CN)
2020 ~48 GW ~125 GW
2021 ~53 GW ~182 GW
2022 ~87 GW ~289 GW
2023 ~217 GW ~499 GW
2024 ~277 GW ~588 GW
2025 ~315 GW ~620 GW (vorl.)

2025-Produktion vorläufig: allein von Januar bis Oktober 2025 wurden bereits rund 514 GW Module gefertigt (+13,5 %).

2024 hat China gut 588 Gigawatt Solarmodule gefertigt, aber „nur" 277 Gigawatt davon selbst installiert — mehr als doppelt so viel produziert wie verbaut. Diese Lücke ist der Solar-Export, der die Modulpreise weltweit nach unten zieht. Und 2025 legt noch einen drauf: rund 315 GW Zubau, kumuliert über ein Terawatt — bei einer Fertigungskapazität von inzwischen rund 1.200 GW pro Jahr, mehr als die ganze Welt nachfragt.

„Ein Kraftwerk pro Woche" — was das wirklich heißt

Rechnen wir den 2025er-Zubau auf die Woche herunter: 315 GW geteilt durch 52 Wochen sind gut 6 Gigawatt neue Solarleistung — pro Woche. Ein großer Atomreaktor hat eine Leistung von etwa 1 bis 1,6 Gigawatt. China baut also allein an installierter Leistung Woche für Woche das Mehrfache eines Kernkraftwerks zu.

Ein ehrlicher Vorbehalt gehört dazu: Solar und Atomkraft sind nicht Eins-zu-eins vergleichbar. Ein Solarfeld liefert nicht rund um die Uhr; übers Jahr erntet es je nach Standort nur einen Bruchteil seiner Nennleistung, während ein Reaktor fast durchläuft. Rechnet man das ein, schrumpft der Vergleich — aber er bleibt gewaltig: In Energiemengen entspricht Chinas Solar-Zubau eines Jahres ungefähr der Jahresarbeit von mehreren Dutzend Reaktoren. Egal welche Brille man aufsetzt: Es ist eine andere Größenordnung.

Und jetzt der Preis

Hier kippt der Vergleich endgültig. Schauen wir auf die zwei jüngsten westlichen Atom-Großprojekte:

Ein Gigawatt Solar als schlüsselfertige Freiflächenanlage kostet heute, grob gerechnet, in der Größenordnung einer halben bis dreiviertel Milliarde Dollar — Faktor 20 und mehr unter dem, was die jüngste westliche Atomkraft pro Gigawatt verschlingt. Und das Solarfeld steht in Monaten, nicht in anderthalb Jahrzehnten. (Der Vorbehalt von oben gilt weiter: Atomkraft liefert mehr Volllaststunden. Aber selbst großzügig zugunsten der Atomkraft gerechnet, bleibt der Preisabstand dramatisch.)

Aber der Brennstoff ist doch billig — und die Entsorgung?

Jetzt kommt der häufigste Einwand: Atomstrom habe doch sehr niedrige laufende Kosten. Das stimmt sogar — der Brennstoff ist der kleinste Posten. Uran muss gefördert, angereichert und zu Brennstäben verarbeitet werden; pro Kilowattstunde schlägt das nur mit wenigen Cent zu Buche, der größere Teil davon entfällt auf Anreicherung und Fertigung. So weit das Argument der Befürworter.

Zwei Posten werden bei dieser Rechnung aber gern klein gehalten: Rückbau und Entsorgung. Die laufende Stilllegungs-Rücklage wirkt mit grob 0,1 bis 0,2 ct/kWh winzig, und auch das hintere Ende des Brennstoffkreislaufs — Zwischen- und Endlager — macht je nach Rechnung nur etwa ein Zehntel der kWh-Kosten aus. Die absoluten Summen aber sind gewaltig und über Jahrhunderte gestreckt. In Deutschland zahlten die Betreiber 2017 einmalig rund 24 Milliarden Euro in den staatlichen Entsorgungsfonds KENFO ein und sind seither aus der weiteren Kostenhaftung heraus. Schätzungen für die gesamte Entsorgung bis zum Ende des Jahrhunderts reichen bis 130 Milliarden Euro — was darüber hinausgeht, trägt der Steuerzahler. Ein Solarmodul hat dieses hintere Ende nicht: Am Ende seines Lebens wird es recycelt, kein Endlager für Zehntausende Jahre.

Was Deutschland daraus mitnimmt

Und Deutschland? Wir hatten Ende 2025 rund 117 Gigawatt Solar installiert und 2025 etwa 16,4 GW zugebaut — ein ordentlicher Wert. Im Wochen-Maßstab sind das aber nur gut 0,3 Gigawatt pro Woche. China baut mit seinen rund sechs Gigawatt pro Woche das, wofür Deutschland ein ganzes Jahr braucht, in nicht einmal drei Wochen. Das ist kein Vorwurf an die deutsche Solarbranche — es ordnet nur die Größenordnung ein.

Die Pointe ist nicht „China ist toll" und auch nicht „Atomkraft ist dumm". Die Pointe ist eine doppelte:

Erstens: Die Hardware ist da, weltweit, billig, in Massen. Die Module rollen vom Band, die Preise sind im Keller, die Skala ist real. Das Argument „Erneuerbare reichen nicht" ist eine Frage des letzten Jahrzehnts, nicht dieses.

Zweitens: Es nützt nichts, wenn wir den Strom nicht nutzen. Genau hier liegt die deutsche Eigenheit. Wir feiern Negativpreis-Stunden, in denen so viel Wind- und Solarstrom da ist, dass der Preis ins Minus rutscht — und regeln Anlagen ab, statt den Überschuss zu verwenden. Die Module sind da, der Wind weht, der Akku im Auto wartet, die Schnellladesäule steht. Was fehlt, ist die Tür: ein Marktsignal, das in diesen Stunden den Strom an die Säule bringt, statt ihn verfallen zu lassen.

Das ist die §13k-Erweiterung. Nicht nur mehr Hardware, nicht nur mehr Leitungen — sondern die Regel, die den vorhandenen Überschuss nutzbar macht.

Hintergrund: pv magazine — China 277 GW 2024 · Rystad — China kurz vor 1 TW Solar · Flamanville-Kosten, World Nuclear News · Hinkley Point C — Wikipedia

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