Zwei Republikaner, ein Effekt — wie Bush und Trump die Erneuerbaren nach vorne brachten

Teil 1 — George W. Bush: Der Ölstaat, der den Wind entdeckte
Wer das Klischee glaubt, Erneuerbare seien ein linkes Projekt, sollte 1999 nach Austin, Texas, schauen. Der damalige Gouverneur hieß George W. Bush, Republikaner, Sohn eines Öl-Manns, später ein Präsident, dessen Vizepräsident aus dem Ölservice-Konzern Halliburton kam. Und ausgerechnet unter ihm beschloss Texas einen Renewable Portfolio Standard — eine verbindliche Quote für Strom aus Erneuerbaren.
Der Architekt im Maschinenraum war Pat Wood, Vorsitzender der texanischen Public Utility Commission. Wood baute kein Förderprogramm im deutschen Sinne. Er baute einen Markt: handelbare Zertifikate, klare Mengenziele, einen liberalisierten Stromhandel (ERCOT, das eigene texanische Netz). Wer ein Windrad baute, bekam keine Subvention überreicht — er bekam ein Preissignal, auf das der Markt reagierte. Später kamen die CREZ-Leitungen dazu, mit denen der Windstrom aus dem windreichen West-Texas zu den Verbrauchszentren kam.
Das Ergebnis spricht für sich: Texas ist heute mit über 45 Gigawatt installierter Windleistung der größte Wind-Stromproduzent der USA — mehr Wind als die allermeisten ganzen Länder. Dazu inzwischen über 20 GW Solar. Ein Ölstaat wurde zur Wind-Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Nicht aus Klimaschutz — Bush hat sich zur Klimafrage zeitlebens zurückgehalten —, sondern weil das Werkzeug funktionierte: Standortvorteil, Marktmechanismus, Wirtschaftlichkeit.
Pat Wood hat diese Geschichte selbst erzählt — im Podcast Speed & Scale (TED Audio Collective), den wir auf unserer Podcast-Seite empfehlen. Und es ist erfrischend, wie unideologisch er das tut: ein konservativer Regulierer, der eine erneuerbare Industrie aus der Taufe hob, weil sie sich rechnete.
Die kleine Pointe am Rande
Der Mann, der eine ganze Wind-Industrie anschob, hatte privat ein bemerkenswert unglückliches Verhältnis zur Elektromobilität. Im Juni 2003 fiel er auf dem Familienanwesen in Kennebunkport von einem Segway, dem damals als revolutionär gefeierten elektrischen Stehroller — ein Foto, das um die Welt ging. Es kommt eben nicht auf die persönliche Vorliebe für ein Gerät an. Es kommt auf die Regeln an, die man setzt.
Teil 2 — Donald Trump: Der Gegner, der zum Beschleuniger wird
Donald Trump ist das genaue Gegenteil. Seine Sätze über Windkraft sind legendär falsch: Der Lärm von Windrädern verursache Krebs (die American Cancer Society kennt dafür keinerlei Beleg), Windräder töteten die Vögel und die Wale, sie seien hässlich und „die teuerste Energie, die es gibt". Das stammt im Kern aus seiner ersten Amtszeit — und es ist über die Jahre nicht wahrer geworden. (Die mit Abstand größten Vogel-Killer sind übrigens Hauskatzen und Glasfassaden, nicht Windräder.)
In der zweiten Amtszeit folgte Politik auf Worte. Direkt nach Amtsantritt stoppte Trump per Dekret die Vergabe von Offshore-Wind-Flächen und neue Genehmigungen. Als ein Bundesgericht das Dekret im Dezember 2025 für verfassungswidrig erklärte, wechselte die Regierung die Taktik: Sie kaufte den Ausstieg ein. Im März 2026 zahlte das US-Innenministerium dem französischen Konzern TotalEnergies rund 928 Millionen Dollar dafür, zwei bereits vergebene Offshore-Wind-Flächen zurückzugeben — und das Geld stattdessen in Öl und Gas zu stecken (mehr dazu im eigenen Beitrag). Wind wird also nicht mehr nur behindert, sondern mit Steuergeld aktiv abgewickelt.
Und hier kommt die Ironie, die den Titel dieses Beitrags trägt. Trumps Fossil-Maximalismus erreicht das Gegenteil dessen, was er will. Denn er führt der Welt zwei Dinge vor Augen:
Erstens: Fossile Energie ist erpressbar. Anfang 2026 schoss der Ölpreis infolge des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormuz von rund 72 auf über 120 Dollar je Barrel — die Internationale Energieagentur nannte es die größte Angebotsstörung der Ölmarkt-Geschichte. Wer von Öl- und Gas-Importen abhängt, ist solchen Schocks ausgeliefert. Wer auf heimische Erneuerbare setzt, ist es nicht. Jeder dieser Schocks ist ein Argument für Wind, Sonne und Speicher — und gegen das Modell, das Trump verteidigt.
Zweitens: Die Welt baut längst weiter, ohne auf Washington zu warten. China installiert Solar in einem Tempo, das jede Statistik sprengt. Pakistan hat sich binnen anderthalb Jahren von unten mit Solardächern eingedeckt. Europa hat nach dem Gasschock 2022 den Ausbau beschleunigt. Trumps Politik macht fossile Abhängigkeit teurer und unsicherer — und beschleunigt damit weltweit genau die Bewegung, die er stoppen will. Ein Steigbügelhalter wider Willen.
Was das mit uns zu tun hat
Bush und Trump markieren die zwei Pole einer Erkenntnis: Es geht nicht um Gesinnung, es geht um Regeln und um Robustheit. Bush hat 1999 vorgemacht, dass ein marktwirtschaftlicher Hebel eine erneuerbare Industrie tragen kann — ohne Klima-Predigt, ordnungspolitisch sauber. Trump führt umgekehrt vor, wie teuer und unsicher das fossile System ist, an dem er festhält.
Genau dazwischen liegt unsere Forderung. Die §13k-Erweiterung ist kein Subventionsversprechen und keine Gesinnungsfrage. Sie ist ein Marktsignal: In den Stunden, in denen so viel Wind- und Solarstrom da ist, dass der Preis ins Negative rutscht, soll dieser Strom genutzt statt abgeregelt werden — unter anderem an den Schnellladesäulen. Das ist die Bush-Logik, übersetzt ins deutsche Energierecht. Und es ist die beste Antwort auf die Trump-Lektion: Wer den eigenen Überschuss nutzt, macht sich unabhängig von der nächsten Straße von Hormuz.
→ Hintergrund: Pat Wood im Podcast Speed & Scale (auf unserer Podcast-Seite) · Deutschlandfunk Kultur — „Windräder statt Ölbohrtürme" in Texas · Trump-Windkraft-Mythen, McGill OSS · NPR — Interior zahlt TotalEnergies ~1 Mrd. $ für Wind-Ausstieg
Du willst „Nutzen statt Abregeln"?
Zeichne die Petition — jede Stimme zählt. Wir brauchen sie schnell, bevor der Tankrabatt verlängert und unser Vorschlag übersehen wird.
Petition zeichnen →Newsletter abonnieren? Hier auf der Startseite mit deiner E-Mail-Adresse.