Wie das EEG den Strompreis dämpft und Milliarden spart
Foto: Balkonkraftwerk in Dornbirn, Asurnipal / Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0
Der unsichtbare Schutz vor hohen Preisen
Über das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, reden einige immer auf dieselbe Weise: als Kostenblock. „Die Förderung hat uns Milliarden gekostet." Das stimmt — aber es ist nur die eine Seite der Bilanz. Die andere Seite ist dabei viel wichtiger.
Wie Wind und Sonne den Börsenpreis drücken
An der Strombörse bestimmt das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, den Preis für alle — meist ein Gas- oder Kohlekraftwerk. Wind- und Solarstrom haben keine Brennstoffkosten. Sobald sie einspeisen, schieben sie die teuren Kraftwerke aus dem Markt, und der Börsenpreis sinkt — für jede Kilowattstunde, die in dieser Stunde gehandelt wird. Fachleute nennen das den Merit-Order-Effekt. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat ihn über Jahre vermessen: im Normalbetrieb eine Dämpfung des Börsenpreises in der Größenordnung von etwa einem halben bis knapp einem Cent je Kilowattstunde, in Krisenzeiten deutlich mehr.
Die zweite Seite der Bilanz
Den Förderkosten steht eine Spalte gegenüber, die selten gezeigt wird. Die kumulierten EEG-Differenzkosten — also was nach Abzug der Markterlöse wirklich an Förderung geflossen ist — summieren sich von 2000 bis 2021 auf rund 275 Milliarden Euro. Eine große Zahl. Dagegen steht, Jahr für Jahr:
- Vermiedene Brennstoffimporte: Weil Wind und Sonne teures Gas und Steinkohle verdrängen, bleiben jährlich zweistellige Milliardenbeträge im Land, die sonst für Importe ins Ausland abgeflossen wären.
- Vermiedene Umweltschäden: Bewertet man die vermiedenen Treibhausgase mit dem Kostensatz des Umweltbundesamts (300 Euro je Tonne CO₂), liegt auch dieser Posten im zweistelligen Milliardenbereich pro Jahr.
- dazu die laufende Börsenpreis-Dämpfung von oben.
Man muss diese Zahlen nicht auf den letzten Euro gegenrechnen — eine exakte Netto-Bilanz gibt es nicht. Aber die Richtung ist eindeutig: Die 275 Milliarden sind über zwei Jahrzehnte aufgelaufen; allein die jährlichen Einsparungen erreichen über denselben Zeitraum eine mindestens vergleichbare Größenordnung. Der „teure" Eindruck entsteht nur, wenn man die Gegenseite ausblendet.
Wer bezahlt hat
Das Bemerkenswerte: Getragen wurde diese Entwicklung zu einem großen Teil von ganz normalen Leuten. Rund zwei Drittel der installierten Solarleistung in Deutschland stehen auf Dächern, über ein Drittel des Solarstroms kommt aus Kleinanlagen bis 30 Kilowatt — Eigenheime, kleine Gewerbe, inzwischen über eine Million Balkonmodule. Das sind keine Großinvestoren mit Renditeversprechen. Das sind Menschen, die ein paar Module aufs Dach geschraubt haben und damit, ohne es zu merken, den Strompreis für alle gedämpft haben.
Dieser Schutz vor hohen Preisen ist unsichtbar — aber er ist da. Und er gehört denen, die ihn gebaut haben.
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