Ladefreunde-Blog · Kolumne

Die Kilowattstunde als Vehikel für Steuern und Gebühren — was die Förderung wirklich belohnt

30. Mai 2026 3 min Lesezeit Ladefreunde-Blog
Moderner Smart Meter im Zählerschrank — die Kilowattstunde wird am Zähler mit Steuern und Gebühren beladen

Foto: Smart Meter im Zählerschrank (Berlin, 2023), Robbie Morrison / Wikimedia Commons — CC BY 4.0

Was die Förderung wirklich belohnt

Es gibt eine Stelle in der Solarförderung, die einen ins Grübeln bringt, wenn man sie zu Ende denkt. Wer eine Solaranlage betreibt, hat zwei Möglichkeiten: den Strom selbst verbrauchen und nur den Überschuss einspeisen — oder alles ins Netz schicken, als Volleinspeiser. Und ausgerechnet für die zweite Variante zahlt der Staat mehr: bei kleinen Anlagen rund 12,3 Cent je Kilowattstunde für die Volleinspeisung, gegenüber gut 7,8 Cent, wenn man auch selbst verbraucht. Ein satter Aufschlag fürs komplette Wegschicken.

Das wirft eine einfache Frage auf: Was wird hier eigentlich belohnt — die Nutzung des Stroms vor Ort, oder der Umweg übers Netz?

Die Kilowattstunde als Vehikel für Steuern und Gebühren

Rechnen wir nach. Jede Kilowattstunde, die ich selbst verbrauche, erspart mir den vollen Netzbezugspreis — rund 35 Cent, in denen Netzentgelt, Steuern, Umlagen und Mehrwertsteuer stecken. Jede Kilowattstunde, die ich einspeise, bringt mir 7 bis 8 Cent. Aus Haushaltssicht ist der Eigenverbrauch also vier- bis fünfmal so wertvoll.

Aber es geht um mehr als die eigene Rechnung. Schicke ich den Strom voll ins Netz, läuft er einen Umweg: Er fließt zum nächsten Verbraucher, und dort wird er mit allen Aufschlägen beladen — Netzentgelt, Stromsteuer, Umlagen. Die Kilowattstunde wird zum Vehikel für Steuern und Gebühren, bevor sie überhaupt genutzt wird. Verbrauche ich sie dagegen direkt vor Ort, entfällt dieser ganze Umweg. Das Netz wird entlastet, und keine einzige Abgabe wird fällig.

Und trotzdem prämiert die Förderung pro Kilowattstunde ausgerechnet den Umweg höher. Aktuelle Pläne favorisieren die kommerziellen Großanlagen auf der grünen Wiese und bremsen Aufdachsolar. Wir halten das für eine ungute Entwicklung.

Der absurde Umweg: zwei Anlagen auf einem Dach

Jetzt wird es kurios. Pro Anlage muss man sich nämlich entscheiden — entweder Eigenverbrauch oder Volleinspeisung, beides zugleich geht nicht. Wer das Dach voll nutzen und den höheren Volleinspeiser-Bonus mitnehmen will, muss tatsächlich zwei getrennte Solaranlagen auf demselben Dach bauen: eine kleine für den Eigenbedarf, eine zweite für die reine Volleinspeisung. Mit zwei Zählern, zwei Anmeldungen, doppelter Planung.

Das ist kein Schlupfloch — das Gesetz sieht es ausdrücklich vor (§ 48 EEG hebt dafür sogar eine Sonderregel aus). Aber man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, was das bedeutet: Um sein eigenes Dach sinnvoll auszunutzen, soll man seine Anlage künstlich in zwei aufspalten und den Zusatzstrom komplett wegschicken. Die Förderung belohnt nicht „nutze deinen Strom", sondern „teile deine Anlage und schick den Rest ins Netz".

Was man stattdessen belohnen sollte

Man muss niemandem einen Vorwurf machen, der den Bonus mitnimmt — er handelt vernünftig in dem Rahmen, den die Politik gesetzt hat. Die Frage gilt dem Rahmen selbst. Ein Energiesystem, das die Erneuerbaren ernst nimmt, sollte die lokale, zeitnahe Nutzung belohnen — den Strom dort und dann verbrauchen, wo und wann er anfällt. Das entlastet das Netz, spart den Umweg, spart die Aufschläge. Genau das ist unsere Linie: nutzen statt durchschleusen. Die Kilowattstunde sollte ein Stück Energie sein, kein Vehikel für Gebühren.

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