Das Dach voll machen? Warum es klug ist — und was gerade die Anreize verschiebt
Foto: PV-Montage, U.S. Department of Energy / Dennis Schroeder — Public Domain
Das Dach voll machen — und warum die Politik gerade dagegen arbeitet
Wer schon einmal eine Solaranlage hat installieren lassen, kennt den Aufwand: Gerüst aufbauen, der Elektriker kommt, der Netzanschluss wird angepasst, alles wird angemeldet, geprüft, abgenommen. Das ist die eigentliche Hürde — und sie fällt nur einmal an. Ob danach zehn oder zwanzig Module auf dem Dach liegen, macht für diese Grundkosten kaum einen Unterschied. Deshalb gilt unter Fachleuten eine einfache Regel: Wenn schon, denn schon. Das Dach gehört voll belegt, denn das Gerüst stellt niemand ein zweites Mal auf.
Heute rechnet sich, was früher unrentabel war
Dazu kommt ein zweiter Punkt. Solarmodule sind in den letzten zehn Jahren um rund 80 Prozent billiger geworden — von etwa 50 Cent auf rund 10 Cent je Watt. Wenn das Modul selbst nur noch ein kleiner Teil der Gesamtkosten ist, lohnt sich plötzlich auch, was früher als unwirtschaftlich galt: das Norddach, die Ost-West-Fläche, die kleine verschattete Teilfläche. Mehr noch — eine Ost-West-Belegung glättet sogar die Mittagsspitze und liefert morgens und abends, wenn der Strom wertvoller ist. Eigentlich müsste also gerade jetzt jedes Dach so voll wie möglich werden.
Und dann arbeitet die Politik dagegen
Eigentlich. Denn während die eine Hand der Politik mit einem Bonus die volle Belegung anreizt, zieht die andere Hand in die Gegenrichtung:
- Das Solarspitzengesetz streicht seit Februar 2025 die Vergütung in allen Stunden mit negativem Börsenpreis, verlangt Steuerbarkeit und intelligente Messsysteme und kappt die Einspeiseleistung neuer Anlagen, solange kein Smart Meter installiert ist.
- Eine Pflicht zur Direktvermarktung könnte ab 2027 schon für deutlich kleinere Anlagen gelten — geplant ist eine Absenkung der Schwelle von 100 auf 25 Kilowatt. Beschlossen ist das noch nicht, aber es steht im Entwurf, weil die EU-Genehmigung der festen Einspeisevergütung Ende 2026 ausläuft.
- Und über allem liegt das „Solarbashing" — die öffentliche Erzählung, die wachsende Zahl negativer Strompreise (2025 ein Rekord) sei ein Solar-Problem. Wer das jeden Tag hört, baut sein Dach nicht mehr voll, sondern klein.
Unterm Strich verschiebt sich der Anreiz: weg vom voll belegten Dach, das einspeist, hin zur kleinen, eigenverbrauchsoptimierten Anlage mit Speicher. Das ist für den einzelnen Haushalt rational — fürs System ein Verlust, denn jede nicht gebaute Modulreihe ist sauberer Strom, der fehlt.
Die Auflösung ist genau unsere
Dabei gäbe es einen Ausweg, der beide Hände der Politik versöhnt: das Dach voll machen, aber klug. Ost-West statt steiler Südspitze. Einen Speicher, der den Mittagsüberschuss in den Abend trägt. Flexible Verbraucher — das Elektroauto vor der Tür —, die laden, wenn die Sonne liefert. Dann ist die Mittagsspitze kein Problem mehr, sondern ein Angebot. Nicht abregeln, sondern nutzen.
Genau das ist unsere Forderung. Das volle Dach lohnt sich wieder, sobald der Strom, den es liefert, auch genutzt werden darf — dann, wann er da ist.
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