+2,74 Cent mehr — steigt deine Stromrechnung in die falsche Richtung? Eine Ursachenforschung
Foto: Stromleitung im Sonnenuntergang, Usien / Wikimedia Commons — CC BY-SA 3.0
+2,74 Cent — und was ist schuld?
Diese Woche lag der Brief im Kasten: Mein Stromtarif steigt um 2,74 Cent pro Kilowattstunde. Vielleicht ging es dir genauso. Die naheliegende Antwort hat man schnell zur Hand — „die Erneuerbaren". Nur stimmt sie nicht, und das wissen die meisten hier längst. Also machen wir es gründlich: eine kleine Ursachenforschung. Wer hat ein Alibi — und wer war es wirklich?
Zwei Verdächtige mit Alibi
Erstens: die EEG-Umlage. Die gibt es nicht mehr. Sie wurde zum 1. Juli 2022 abgeschafft und taucht auf keiner Stromrechnung mehr auf. Die alte Erzählung „die Ökostrom-Umlage treibt meinen Preis" ist schlicht überholt.
Zweitens: die Netzentgelte. Die sind 2026 sogar gesunken — ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro dämpft sie, Haushaltskunden zahlen bei den Netzentgelten spürbar weniger als im Vorjahr. Im bundesweiten Durchschnitt ist der Strompreis 2026 nicht gestiegen, sondern leicht gefallen. Meine 2,74 Cent sind also eine Anpassung meines Tarifs — kein Markttrend.
Was es wirklich ist: die fossile Abendspitze
Der teure Strom entsteht in einer ganz bestimmten Tageszeit: am Abend. Wenn die Sonne weg ist und alle nach Hause kommen, setzen Gaskraftwerke den Preis — für alle. Und diese Abendpreise sind zuletzt deutlich gestiegen. Im März 2026 lag der Großhandelspreis rund 40 Prozent über dem Vorjahr, in der Stunde zwischen 18 und 19 Uhr sprang er an mehreren Tagen über 200 Euro je Megawattstunde.
Der Treiber dahinter ist fossil: Der Nahost-Konflikt trieb im Frühjahr 2026 die Öl- und Gaspreise. Inzwischen hat sich das wieder beruhigt — aber Stromversorger kaufen ihren Strom mit langem Vorlauf ein. Die Preisspitze vom Frühjahr erreicht die Haushaltsrechnungen erst jetzt, mit Verzögerung. Genau das spüre ich auf meiner Abrechnung.
Der Börsenstrompreis dieser Woche, Stunde für Stunde: Mittags drückt die Sonne den Preis gegen null (am Montag sogar darunter), abends setzen die Gaskraftwerke die teure Spitze — am Freitag bis über 450 Euro je Megawattstunde. Quelle: Energy-Charts, Fraunhofer ISE
Die Erneuerbaren sind die Lösung, nicht das Problem
Wind und Sonne haben keine Brennstoffkosten. Wann immer sie einspeisen, drücken sie die teuren fossilen Kraftwerke aus dem Markt und senken den Börsenpreis. Ohne sie wäre meine Rechnung höher, nicht niedriger.
Das eigentliche Problem ist die fossile Spitze am Abend — und die lässt sich kappen. Strom, der mittags im Überfluss (und billig) da ist, lässt sich speichern und in den teuren Abend holen: in Batterien, in den Akkus von Elektroautos, durch das Verschieben flexibler Lasten in die Mittagsstunden. Damit nimmt man genau die Stunden aus dem Preis, in denen heute das Gaskraftwerk regiert.
Das ist unsere Forderung — die zeitliche Erweiterung des §13k EnWG bringt das Marktsignal an die öffentliche Ladesäule und zum Großabnehmer. Nicht Abregeln, sondern Nutzen. Wir verhindern den Anstieg durch die richtigen Marktanreize.
In den nächsten Beiträgen schauen wir genauer hin: wie die Erneuerbaren den Preis dämpfen, warum ausgerechnet die Solarspitze in Verruf geraten ist, und welche Speicher die Abendspitze wirklich brechen.
Du willst „Nutzen statt Abregeln"?
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